Was ist eigentlich Orientalismus?

Vorderer Orient, orientalische Spezialitäten, Orient Döner, Shampoos mit Duft Oriental Nights – das Wort „Orient“ ist in unserem Sprachgebrauch sehr präsent. Doch anders als eine rein geographische Bezeichnung vermittelt der Begriff viel mehr. Vor unserem inneren Auge erscheinen wahlweise Kamele, der Geruch von Gewürzen, Wüstenlandschaften, verschleierte Frauen, exotische Klänge, kurzum eine fremde Welt und Lebensart. 
Es ist uns meisten nicht bewusst, dass mit diesen Vorstellungen und Bildern ein klares Hierarchiegefälle ausgedrückt wird. Die Präsenz des „zivilisierten Westens“ der über – und nicht mit – dem „ursprünglichen Osten“ redet und damit seine Repräsentation maßgeblich gestaltet, ist kein absolut neues Phänomen. 
Ende der 80er Jahre untersuchte der Literaturwissenschaftler Edward Said die Konstruktion dieses Narratives des Orients in englischen und französischen Quellen der Kolonialzeit. Seine These ist, dass „der Orient“ vor allem ein wesentlicher Teil europäischer Kultur und Herrschaftspolitik ist und weniger ein reales Abbild der Region selbst. Unsere Vorstellungen über „den Orient“ haben somit nichts damit zu tun, wie das Leben und die Menschen vor Ort wirklich sind. 
Trotzdem spielt dieser Orientalismus, wie Said dieses mind-set nennt, gerade in unserer medialen Welt weiterhin eine große Rolle. Es hat nicht nur Auswirkungen auf unsere westlichen Gesellschaften, sondern auch auf die Gesellschaften in Westasien und Nordafrika. 
Warum scheinen wir dennoch diesen Gegenentwurf „Orient“ zu unserem „Okzident“ zu brauchen? Und wie blicken und blickten die Menschen in Westasien auf diesen Begriff? Zusammen mit Ayşê, Vorsitzende des Vereins dis:orient begeben wir uns in dieser Episode auf Spurensuche – in der Geschichte, in der Gegenwart, in Ost und in West. 
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